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Minister Kupfer: Gentechnik in der Landwirtschaft: ‚Ja’. PDF  | Drucken |  E-Mail
Geschrieben von: hpardun   
Dienstag, den 26. Januar 2010 um 20:14 Uhr

'agrarheute.com' - Landwirtschaftsminister Frank Kupfer im Agrarcheck

Gentechnikfeindlichkeit aus Ideologie ist fahrlässig - Landwirtschaftliche Berufe attraktiver machen - Nachwuchsfindung macht Sorgen – Lebensmittel so sicher wie nie - Absicherung einer Grundversorgung der Bevölkerung ist Dauerherausforderung

„agrarheute.com“ ist ein online Magazin von Deutscher Landwirtschaftsverlag inHannover. Hier werden in regelmäßigen Abständen mit der Zielbefragung „Was denken die Landwirtschaftsminister über ihr Ressort?“ im Rahmen eines „Agrarchecks“ deutsche Agrarminister um Rede und Antwort gebeten. In der Ausgabe vom 10.1.2010 wurde Sachsens Landwirtschaftsminister Frank Kupfer um Antwort gebeten.


Da die Landwirtschaft noch weit gehend der vorgelagerte Urproduzent von Produkten für das Fleischerhandwerk ist, finden sich etliche der Probleme, die die Landwirtschaft, die Branche, die Betriebe und Berufe bewegen, so oder so ähnlich auch in der Ernährungswirtschaft noch spezieller im Ernährungshandwerk wieder beziehungsweise sie setzten sich hier fort.

Offene Fragen sind hier wie da, wie sich europäische Wirtschaftsentwicklungen und Wettbewerbsangleichung auf nationaler Handwerkstrukturen auswirken werden, welche Rolle das Ernährungshandwerks in der Ernährungswirtschaft spielen wird, wie und auf welche Weise Produzenten und Konsumenten in Zukunft zueinander stehen werden, wie sich der Beruf entwickelt und vorher sich der Berufsachwuchs generiert, wie und auf welchem Wege der Meister zum Unternehmer wird, die sich städtische und ländliche Räume entwickeln werden, welche Rolle dabei die Nahversorgung in Zukunft spielen wird und einiges mehr.


Wir haben wir aus den Interview-Antworten, die insbesondere die Ernährungswirtschaft und das Ernährungshandwerk und damit unserem Bereich betreffen, eine kurze Zusammenfassung erstellt. Interessierten empfehlen wir den kompletten Artikel unter http://agrarheute.com.

An erster Stelle der Ziele seiner Landwirtschaftspolitik stehe für ihn als sächsischem Landwirtschaftsminister „die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe“. Dazu stünden im Freistaat Sachsen bis 2013 ausreichend Mittel zu günstigen Förderkonditionen bereit. Des Weiteren richte man das Augenmerk auf notwendige Anpassungsstrategien im Bereich Umwelt und Klima. Was weiterhin im Blickfeld stehen müsse sei die Risikoabsicherung der Betriebe.

Auf die Frage, wie er die gegenwärtige Situation der Landwirte , insbesondere die der Kleinbetriebe verbessern wolle, zeigt Frank Kupfer auf, dass Sachsen in diesem Bereich seine Hausaufgaben gemacht und mit dem Entwicklungsprogramm für den Ländlichen Raum eine solide Grundlage geschaffen habe. Grundsatz sächsischer Agrarpolitik sei dabei die Gleichberechtigung aller Rechts- und Betriebsformen, unabhängig von ihrer Betriebsgröße. „Jeder Betrieb ist uns gleich viel Wert und kann an unseren Fördermaßnahmen teilnehmen“, sagte der Minister im Interview. Mit der Senkung der Förderschwelle auf 20.000 Euro pro Betrieb für Investitionen, habe man einen sehr niedrigen Einstieg gewählt.

Hinsichtlich auf kommender Trends in der Landwirtschaft angesprochen, bezeichnete Kupfer die Notwendigkeit der Unternehmen, sich noch intensiver als bisher mit Marktprognosen und Zukunftsperspektiven beschäftigen zu müssen, als vorrangige Aufgabe, da die seit langem wissenschaftlich vorausgesagten erheblichen Schwankungen auf nationalen wie internationalen Agrarmärkten mittlerweile als üblich und überdauernd anzusehen seien. Des weiteren sei vor allem bei größeren Unternehmen und im Rahmen internationaler Konkurrenzmärkte ein starker Trend zur Arbeitsteilung zu beobachten, der sich auf Dauer bei uns Fortsetzen werde. Sorge mache ihm in diesem Zusammenhang „allerdings der Berufsnachwuchs“. Sachsen sei ohnehin vom demographischen Wandel besonders stark betroffen. Deshalb müsse man gemeinsam „die Attraktivität des Berufsbildes ‚Landwirt’ weiter erhöhen. Gerade die Zukunft des ländlichen Raumes liege in seinen lokalen Produktionspotentialen. Neben der mittelständischen Industrie und dem Handwerk sind Kupfers Meinung nach die Nahrungsmittelerzeugung sowie deren Verarbeitung und Vermarktung die wichtigsten ökonomische Standbeine: „Mein Ministerium wird die Menschen des ländlichen Raumes nach allen Kräften unterstützen.“ Dabei gelte es, die geschaffenen technischen und sozialen Infrastrukturen langfristig zu erhalten. Die Absicherung einer Grundversorgung der Bevölkerung in ihrer Umgebung mit Waren und Dienstleitungen sowie mit Breitbandinternet sei die Dauerherausforderung, bei der das sächsische Agrarministerium die Initiativen der gesamten Unternehmerschaft unterstützen werde. Schon mit der 2007 eingeführten Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) seien in Sachsen die Entscheidungskompetenzen konsequent auf die regionale Ebene übertragen worden.

Das Kirchturmdenken der einzelnen Gemeinden sei, so vermutet der Minister, seit damals damit überwunden worden. Das Programm sei klar, das Prozedere einfach. Der Staat stelle allen Regionen einen Budgetrahmen und eine breitgefächerte Förderrichtlinie für die Verwendung der EU-Mittel zur Verfügung. Regionale Koordinierungskreise aus Vertretern der Gemeinden sowie Wirtschafts- und Sozialpartnern votierten über private und kommunale Vorhaben. Den Projektträgern stehe außerdem ein professionelles Regionalmanagement zur Seite. Bis Ende 2009 hätte man so mit Zuschüssen in Höhe von rund 140 Millionen Euro Investitionen in Höhe von etwa 260 Millionen Euro unterstützt.

Gezielt und präzise antwortete der Minister auf die Fragen danach, wie sein Ministerium, wie es als Minister selbst sich für höhere Qualität der Nahrungsmittel einsetze. Noch nie seien Nahrungsmittel so sicher gewesen wie heute. Eine hohe Qualität der Produkte sei gerade für den Mittelstand angesichts der großen Angebotsbreite die Chance, um sich im Wettbewerb zu positionieren. Allerdings, Qualität beginne bereits beim Primärerzeuger. Viele Erzeuger unterzögen sich schon jetzt und freiwillig Qualitätssicherungssystemen oder -programmen.

Mit der Richtlinie Absatzförderung würde die Entwicklung und Umsetzung von Qualitätsprogrammen in Sachsen sehr gefördert. Zudem sei bereits 2001 auf Initiative seines Hauses die "Allianz für sichere Lebensmittel" als Verbund von Verarbeitern, Vermarktern, Erzeugergemeinschaften, Handel und Futterherstellern, Handwerk, Verbraucherzentrale, Behörden gegründet worden. Für diese Allianz sind Qualitätssicherung und Rückverfolgbarkeit zentrale Themen.

Auf eines der wohl im Moment höchst kontrovers diskutierten zeitgeistigen Themen, nämlich: „Gentechnik in der Landwirtschaft: Ja oder Nein?“, ging der Minister sehr präzise ein.„Es wäre geradezu fahrlässig, so sagte er wörtlich, „die Möglichkeiten dieser Technologie aus rein ideologischen Gründen ungenutzt zu lassen.“ Gentechnik sei durchaus in der Lage hilfreiche Beiträge zu leisten bei der bei der Züchtung von Pflanzen mit gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen, der Anpassung von Nutzpflanzen an den Klimawandel oder auch der Optimierung von Biomasse zur energetischen Nutzung. Unabhängig davon allerdings stehe das Vorsorgeprinzip, Schutz von Mensch und Umwelt beim Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft als oberste Priorität an erster Stelle. Das europäische Gentechnikrecht, das als eines der weltweit strengsten gilt, gewährleistet allerdings durch die strenge Prüfung gentechnisch veränderter Pflanzen vor der Marktzulassung dabei ein hohes Maß an Sicherheit.

Hat eine gentechnisch veränderte Pflanze die Marktzulassung erhalten, soll der Landwirt selbst darüber entscheiden, ob er sie anbauen will oder nicht. Es bestehe immer noch die Wahlfreiheit der Verwendung im Anbau für die Landwirte als Produzenten wie beim Kauf für die Verbraucher als Konsumenten in der Nutzung gentechnisch veränderten Ausgangsmaterials bei Saatgut und Lebensmitteln. Sachlichkeit sei die einzige gegebene Möglichkeit, in der Diskussion über die grüne Gentechnik dem Bürger die Vor- und Nachteile dieser Technologie unvoreingenommen und die Nützlichkeit anschaulich zu vermitteln.

Den immer wieder aufgeworfenen Gegensatz von Biokraftstoffherstellung versus Nahrungsmittelproduktion als unvereinbare Agrarzweige lässt der Minister so nicht gelten. Eine Konkurrenzen zwischen Food- und Nonfoodbereich könne es angesichts knapper werdender fossiler Ressourcen als Keil zwischen "Teller oder Tank?" gar nicht geben. Ziel sei es, vorhandene Biomassepotenziale gezielt zu erschließen und nachhaltig zu nutzen. Bei den in Sachsen seit dem Ende der 80er Jahre stark zurückgegangen Viehbeständen müssten vielmehr dringend Nutzungsalternativen für Landschaftspflegematerialien erschlossen und sie die Biomasseverwertung optimiert werden.

Am Ende seines Interviews mit argrarheute.com warf der Minister noch einen Blick auf die Wirkung der Märkte bis hin zu Weltmärkten für Rohstoffe und Lebensmittel mit ihren mittlerweile „extremen Hoch- und Tiefpreisphasen“. Sie erforderten allerdings neue betriebliche Strategien. Die sächsische Landwirtschaft habe wettbewerbsfähige Strukturen, hervorragende Produktionsleistungen und bestens ausgebildete Mitarbeiter und müsse negative Folgen nicht befürchten. Im Zuge der Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2013 jedoch sei ein effektives Sicherheitsnetz für starke Preisbrüche zu schaffen.

Quelle: http://agrarheute.com / Deutscher Landwirtschaftsverlag GmbH, 30179 Hannover

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 13. Februar 2011 um 15:49 Uhr
 

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